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Geschichte der Burg Schenkenberg
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Teil I: Mittelalter
Teil II:
Bernerzeit Teil III:
Neuzeit
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Teil II: Bernerzeit
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Markwart von Baldegg sinnt auf Rache
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.....Markwart von Baldegg,
der ausser Landes gejagte ehemalige Herr von Schenkenberg, war nicht
der Mann, der schnell aufzugeben bereit war. Schliesslich besass er
mächtige Freunde und Gönner. Er stand in hoher, warscheinlich
persönlicher Gunst des Kaisers Friedrich III. und der Herzöge von
Habsburg - Österreich. Er vertraute darauf, dass deren militärische
Macht über kurz oder lang die Eidgenossen und davon besonders die
Berner, in die Schranken weisen würde. In diesem Sinne war er
zuversichtlich, sein Eigentum bald zurückzuerhalten und nannte sich
weiterhin "Herr zu Schenkenberg".
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Die Gelegenheit zur
Rückeroberung schien sich bereits 1468 im nächsten Konflikt zwischen
Eidgenossen und Habsburgern, dem Gerangel um die Stadt >Waldshut, zu
ergeben. Doch die Sache nahm nicht die von Markwart erhoffte Wendung,
die Berner konnten ihr Territorium im Aargau sogar noch um die dem Amt
Schenkenberg benachbarte Herrschaft Wessenberg mit den Dörfern
Hottwil und Mandach erweitern.
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Frieden zwischen Eidgenossen und
Habsburgern
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Doch
damit nicht genug, 1474 kam es noch schlimmer
für ihn. >Herzog Sigmund schloss mit den Eidgenossen Frieden und
verzichtete in der "Ewigen Richtung" auf alle ehemaligen
österreichischen und nun eidgenössischen Gebiete.
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Der Herzog von Burgund rüstet zu neuem
Krieg
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Markwart von Baldegg 1476, als >Herzog Karl der Kühne von Burgund, der
reichste, strahlendste und wohl auch mächtigste Fürst Europas und Schwiegervater des jungen
Habsburgererbens Maximilian von Österreich, gegen die Eidgenossen
antrat.
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Doch in
der Nacht vom 9. Januar 1477 wird der
steifgefrorene und bereits von Wölfen angefressene
Leichnam Karls aus einem Weiher nahe >Nancy (F) geborgen. Er war
vier Tage zuvor nach der Entsetzungsschlacht um die Stadt, welche
er erfolglos belagert hatte, auf der Flucht erschlagen worden. Nach Murten und
Grandson war dies seine dritte und letzte Niederlage gegen die
Eidgenossen und die mit ihnen verbündeten Lothringer. |
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Wieder hatten die Schweizer
gewonnen und >Bern
triumphierte. Adrian von
Bubenberg, ein Neffe Markwarts von Baldegg, war der gefeiertste
Kriegsheld. Onkel Markwart, tief erschüttert, dürfte gar keine Freude an ihm
gehabt haben. Schliesslich stand Bubenberg auf der falschen Seite,
hatte er doch die Stadt >Murten für Bern
gegen den Herzog von Burgund verteidigt.
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Einige Jahre später,
vermutlich nach 1481, starb Markwart von Baldegg. Er hat seine
Herrschaft Schenkenberg nie mehr gesehen.
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Erneuerter Anspruch auf Burg und
Herrschaft Schenkenberg
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Markwart hinterliess einen
Sohn, Hans von Baldegg, der sich mit einer Tochter des Ritters Thomas
von Falkenstein, des Anführers des Überfalls und der Brandschatzung
der bernischen Stadt Brugg von 1444 ("Mordnacht von Brugg"), verheiratete. Dieser Hans von
Baldegg hielt zäh am Anspruch seines Vaters fest.
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Zuerst versuchte er es auf
die sanfte Tour, indem er Bern um die Rückgabe seiner Ländereien
bat. Dies wurde von Schultheiss und Rat mit Hinweis auf die
"ehrliche" Eroberung von 1460 und die erwähnte "Ewige
Richtung" abgelehnt. Es nützte auch nichts, dass er mit Hilfe
seines berühmten Cousins Adrian von Bubenberg sogar Bürger der Stadt
Bern (Bernburger) wurde.
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Schon wieder Krieg
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Ab 1497 verlegte er sich
aufs Drohen. 1499 brach wieder Krieg aus, diesmal zwischen den
Schweizern und dem Schwäbischen Bund, einem Zusammenschluss vornehmer
süddeutscher Herren und Städte. Mitglied des Schwäbischen Bundes
war auch der der schon erwähnte Schwiegersohn Karls des Kühnen. Er
war unterdessen als >Maximilian I. deutscher König geworden.
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An diesem
"Schwabenkrieg", bei dem auch das Amt Schenkenberg unter
Einfällen aus dem Norden litt, nahm Junker Hans von Baldegg, voller
Eifer und Hass gegen die Eidgenossen und vor allem Bern, teil.
Gemäss der Überlieferung
soll er mit viel Fluchen gedroht haben, er wolle "die Kuh, so sie
ihm an sein Haus gemalet, wieder abtilgen". Mit Kuh war der
Berner Bär gemeint, der überlebensgross auf die Mauern von Schloss
Schenkenberg gepinselt war.
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Hans von Baldegg verteidigt die belagerte
Stadt Tiengen
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Hans von Baldegg wurde das
Kommando über die Besatzung des Städtchens >Tiengen bei
>Waldshut
übertragen. Dieses wurde jedoch bald ausgerechnet durch bernische
Truppen schwer belagert.
Hans von Baldegg wollte aushalten bis zum
letzten Mann. Heldenhaft erklärte er: "Si wöltid e alsamen bi
enandren sterben". Die Tiengener Bürger waren aber gar nicht so scharf auf solches Heldentum. Sie ergaben sich um ihr Leben
möglichst zu schonen
und lieferten Hans von Baldegg am 18. April 1499 an die Berner aus.
Heute noch bestehender Turm der
Tiengener Stadtbefestigung. |
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April 1499,
Grausamkeiten der Sieger nach der Übergabe. Im Hintergrund
der Rhein und am anderen Ufer das brennende Tiengen. |
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Im Kerker auf Burg Stein zu Baden
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Hans von Baldegg hatte
nichts Gutes zu erwarten. Eigentlich sollte ihm kurzerhand der Kopf
abgeschlagen werden. Doch dank der Fürsprache seines
einflussreichen Cousin Adrian von Bubenberg entging er der
Hinrichtung. Er wurde vorübergehend auf Schloss Stein in >Baden eingekerkert, musste
2000 Gulden Lösegeld für seine Freilassung bezahlen und
ausdrücklich auf alle seine Ansprüche gegenüber Bern verzichten.
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Auch die Anwälte des Königs können
nichts ausrichten
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Diesen Verzicht widerrief
er später und versuchte es nun auf juristischem Wege, unterstützt
von Anwälten des deutschen Königs (des Habsburgers >Maximilian
I.).
Doch die in der Sache zuständige eidgenössische Tagsatzung
verschleppte das Geschäft über Jahre hinweg.
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Die Gesandten
der eidgenössischen Orte an der Tagsatzung zu Baden. |
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Der Schenkenberger wird zum Raubritter
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Hans von Baldegg
kämpfte weiter verzweifelt mit allen diplomatischen und verschwörerischen
Mitteln um sein Erbe. Er betätigte sich sogar als Raubritter,
indem er schweizerische Kaufleute auf dem Weg nach Frankfurt
überfiel, dies um Druck auf die Eidgenossenschaft auszuüben.
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Schliesslich erledigte
sich die Sache für Bern von selbst. Hans von Baldegg starb als
Letzter seines Geschlechts irgendwann um 1510 an der Pest.
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Bedeutung der Burg Schenkenberg
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Das Amt Schenkenberg galt
wegen seiner Grenzlage zum österreichischen Fricktal aber weiterhin
als gefährdet. Man befürchtete Überfälle auf das Landvogteischloss
und auf das Kloster Königsfelden. Die Burg Schenkenberg, ganz in der
Nordostecke des bernischen Staates gelegen, besass deshalb erhebliche
strategische Bedeutung und war gut mit Munition und Mannschaften
versehen.
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Das bernische Amt
Schenkenberg umfasste alle eroberten Gebiete links vom Unterlauf der
Aare. Dazu gehörte das eigentliche Schenkenbergertal von Thalheim
über Veltheim bis Villnachern. Der ganze Bözberg und die Dörfer
Mönthal, Remigen, Riniken, Rüfenach, Rein, Lauffohr, Umiken, Stilli
und Villigen. Hinzu kamen Gebiete auf der anderen Seite der
Juraübergänge Staffelegg und Bürersteig, nämlich Densbüren und
Asp, bzw. Hottwil und Mandach.
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Das Regiment der " Gnädigen Herren
" der alten Republik Bern
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Die alte Republik Bern war
eine Aristokratie. Eine extrem dünne Oberschicht von nur etwa 1000
Personen, inklusive Frauen und Kindern, besassen die Macht im Staate
und besetzten alle Schlüsselämter. Dies bei einer Gesamtbevölkerung
von über 400 000 Menschen am Ende des 18. Jahrhunderts. Der Grosse
Rat der Stadt war oberstes Organ der Staatsmacht, der kleine Rat
führte die Tagesgeschäfte. Beide Räte wurden vom Schultheissen
präsidiert.
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Den Flächenstaat
verwaltete und kontrollierte die Regierung über ihre Landvögte. Der
Landvogt wurde für jeweils 6 Jahre ernannt und war in seinem Gebiet
wie ein kleiner König. Ihm waren Polizei, Militär, Finanzen, Schul-
und Armenwesen und auch die Gerichte unterstellt.
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Allerdings engten viele
Vorschriften und Gesetze die Kompetenz des Landvogtes ein. Sein
Finanzspielraum war äusserst klein, die "Gnädigen Herren zu
Bern" waren sehr knauserig. Sparsamkeit schien ihnen höchste
Tugend zu sein. Auch achtete Bern mit strengen Kontrollen und
Buchprüfungen darauf, dass ein Landvogt seine Macht nicht
missbrauchte.
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Schloss Schenkenberg als Residenz des
Landvogtes
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Der Landvogt für das Amt
Schenkenberg residierte also auf Schloss Schenkenberg hoch über
Thalheim. Die Burg war ein typischer mittelalterlicher Festungs- und
Repräsentationsbau: Mit wuchtigem Bergfried mit über 2 Meter dicken
Mauern, einem fast gleich hohen Palas als Wohnung für den Landvogt
und seine Familie, mit Sälen und
Audienzräumen. Dazu gab es mehrere Wohn- und Ökonomiegebäude für
die Knechte und Mägde, welche den Haushalt führten oder für
Amtsgeschäfte und Botengänge zur Verfügung standen. Dazwischen
lagen Höfe und Gärten. Zur Wasserversorgung diente ein Sodbrunnen
sowie eine Zisterne. Der Weg zum Schloss führte über eine lange,
überdachte Treppe und eine Fallbrücke, sowie durch zwei Tore. Die
eigentliche, noch heute bestehende Schlossscheune (erbaut 1573) mit
den Stallungen lag dagegen nördlich der Burg ausserhalb der
Festungsmauern.
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Der bauliche Zustand von Schloss
Schenkenberg verschlechtert sich
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Allerdings schien die
Anlage von Anfang an in nicht besonders gutem baulichem Zustand
gewesen zu sein. Die ab 1555 erhaltenen Rechnungsbücher des Amtes
Schenkenberg berichten wiederholt vom Einsturz von Böden, Dächern
und sogar Mauerteilen. Alle paar Jahre waren grössere
Unterhaltsarbeiten nötig: 1565/66 "neuer Ofen in der grossen
Stube", 1571/72 unteres Tor, Wehrgänge und Gartenmauern neu
erstellt, 1605/06 die verfaulte obere Wehrlaube ersetzt, 1606/07
dekorative Malereien, 1608/09 neue Mauer und Treppenanlage am
Bergfried, 1639/40 neue Toranlage, 1673/74 neue Audienzstube.
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Das Problem war, dass die
sparsame Regierung eine grundsätzliche Erneuerung aus Kostengründen
scheute und immer nur das Nötigste herrichten liess. Um 1720 war die
überalterte, schlecht gemauerte und vielfach zusammengeflickte Burg
in so schlechtem Zustand, dass der Landvogt um sein und seiner Familie
Leben fürchtete, weil ständig Steine aus den Mauern fielen. Der Rat
zu Bern musste ihm gestatten, seinen Wohnsitz vorübergehend nach
Brugg zu verlegen.
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Der Landvogt verfasste in
der Folge einen Bericht zuhanden des Rates zu Bern und führte aus,
die Burg sei von oben bis unten "ganz faul und verderbt".
"Von oben an biss unden auss, von aussen und innen, von hinden
und vornen... nichts nutz". Eine dauerhafte Reparatur sei nicht
möglich.
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Burg Schenkenberg wird aufgegeben und dem
Zerfall überlassen
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Die Regierung holte
daraufhin verschiedene Gutachten ein und entschloss sich, da ein
Neubau für sie nicht in Frage kam, die Burg Schenkenberg aufzugeben.
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Ende 1720 erwarb der Rat
von Bern >Schloss Wildenstein an der Aare bei Veltheim als neue
Residenz für die Landvögte.
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Die alte Burg Schenkenberg
diente noch eine Zeitlang als Hochwacht , wurde aber dann ganz
verlassen und dem Zerfall preisgegeben. Die Bauern der Umgebung
begannen, die Überreste als Steinbruch zu nutzen....
weiter
mit Teil III: Neuzeit
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