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Burg Schenkenberg im Mittelalter Geschichte der Burg Schenkenberg
Teil I: Mittelalter          Teil II: Bernerzeit          Teil III: Neuzeit
 
Teil I: Mittelalter
 
 
Vermutliches Aussehen der Burg Schenkenberg im Mittelalter. Zeichnung von Robert Hunziker. Die Burg Schenkenberg wurde wohl im Auftrag der Habsburger Anfangs des 13. Jahrhunderts errichtet. Sie war Teil eines eigentlichen Burgensystems zur Absicherung des damaligen Kerngebietes habsburgischer Besitzungen rund um die Stadt Brugg und den Stammsitz Schloss Habsburg
   

Errichtung der Burg Schenkenberg

 Zuerst wurden Bergfried und Palas auf dem Berggrat errichtet, anschliessend die Wirtschaftsbauten und Begrenzungsmauern am Südhang. Gebaut wurde mit an Ort und Stelle gebrochenen kleinen Kalksteinen. 
   
 

Burg Schenkenberg um 1682

 

Burg Schenkenberg in einer Ansicht von 1682

   
 
Auf der Burg sassen am Anfang im Auftrag der Habsburger die Schenken von Schenkenberg, ein erster von ihnen wird 1243 genannt. Dies ist gleichzeitig die erste schriftliche Erwähnung der Burganlage.
   
Habsburger auf Schenkenberg Eine Zeitlang wohnte hier auch Albrecht von Schenkenberg, ein ausserehelicher Sohn des Grafen Rudolf von Habsburg, des späteren ersten Königs aus dem Hause Habsburg.
   
  Bedeutende Inhaber von Burg und Herrschaft Schenkenberg waren ab 1373 die Herren von Schönau, Ritter im habsburgischen Gefolge. 
   
  In der Folge wechselte der Besitz zwischen mehreren Gefolgsleuten der Habsburger, deren Machtschwerpunkt sich unterdessen allerdings weg vom Gebiet der heutigen Schweiz nach Österreich verlagert hatte.
   
Komplizierte Besitzverhältnisse Dann aber wurden die Besitzverhältnisse immer komplizierter. Es war die schwierige Zeit nach der katastrophalen Niederlage des Herzogs Leopold III. von Österreich gegen die Eidgenossen bei Sempach 1386. Die Herrschaft Schenkenberg wurde mehrfach verpfändet, wieder ausgelöst, getauscht und auch vom Haus Habsburg - Österreich wieder an sich gezogen.
   
Vögte auf Schenkenberg Hinzu kam, dass die jeweiligen Herren gar nicht immer anwesend waren und sich durch Vögte vertreten liessen. 1396 - 1398 zum Beispiel amtete ein gewisser Konrad Brümsy als "Vogt ze Schenkenberg und uff dem Bötzberg", dies "an statt des frommen, festen Ritters, mines gnedigen Herrn, Herrn Wilhelms im Turme".
   
  Im Jahre 1405 tauschte Walther im Thurm, wohl ein Erbe des obengenannten Wilhelm, mit Einverständnis des Herzogs Friedrich, Schenkenberg gegen Gutenberg bei >Balzers. Aber auch die Herrschaft des neuen Besitzers, Ritter Hermann Gessler, dauerte nicht lange.
   
Die Herrinnen von Schenkenberg Anfang 1408 ging sie an seine Schwester, Margaretha von Fridingen, geborene Gessler. Sie war bereits die zweite Herrin auf Schenkenberg (nach Elsbeth von Eptingen, geborene von Schönau 1385).
   
  Offensichtlich hatten aber ihre Beamten, die Vögte Uli Fischer und Wernli Müller, Mühe, eine Frau über sich anzuerkennen. Bei Amtsgeschäften traten sie jeweils im Namen ihres "gnädigen Herrn" Ritter Hans von Fridingen auf, selbst als dieser bereits verstorben war. Letztlich blieb aber Uli Fischer, welcher länger im Amt war, doch nichts anderes übrig, als den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend "im Namen der gnädigen Frau" zu handeln.
   
  Über der neuen Herrin zogen sich schon bald dunkle Wolken zusammen. Sie drohte in den Strudel der hohen Reichspolitik zu geraten. Ihr österreichischer Landesherr, Herzog Friedrich IV. von Habsburg, geriet in schweren Streit mit seinem Lehensherrn, dem deutschen König Sigismund (kein Habsburger). Der König verhängte im März 1415 die Reichsacht über den Habsburger. Dies kam sozusagen einer Absetzung gleich, verbunden mit der Aufforderung an die Nachbarn, so auch die Eidgenossen, dem geächteten Habsburger dessen Territorien zuhanden des Reiches wegzunehmen.
   
Erster Auftritt der Eidgenossen Die Eidgenossen hatten zwar noch vor kurzem ein eigentliches Friedensabkommen mit Österreich für fünfzig Jahre geschlossen. Doch dieses war jetzt plötzlich vergessen. Schon im April 1415 rückten Berner Truppen im Aargau ein und eroberten das Gebiet bis zum Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat bei Brugg und Windisch.
   
  Auch die >Stadt Brugg musste sich ergeben und erklärte sich am 29. April 1415 offiziell für bernisch. Hingegen war das Land links des Flusses, also auch das schenkenbergische Territorium, von den Bernern nicht berührt worden. Die untere Aare war nun Grenzfluss zwischen Bern und Österreich.
   
Herrschaft Schenkenberg wird Reichslehen 
Frau Margaretha von Fridingen befand sich nun in einer ungemütlichen Grenzlandsituation. Sie trachtete deshalb, sich nach allen Seiten abzusichern. So erwarb sie ein Haus in Brugg und das Bürgerrecht der Stadt, um sich mit den Bernern zu arrangieren. Gleichzeitig versuchte sie, die verbliebene Oberhoheit Österreichs abzustreifen, indem sie sich direkt unter den Schutz des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation begab. 
Sie erreichte von König Sigismund einen Lehensbrief, datiert vom 29. März 1417, der ihr erblich "das Schloss Schenkenberg mit aller Herrlichkeit", also allen Leuten, Gütern und Hoheitsrechten, verlieh. Dafür musste Schenkenberg jederzeit für die Geschäfte des Königs und des Reiches zur Verfügung stehen, "unser offen Schloss und Haus sein" und ein allfälligen Verkauf bedurfte zukünftig der Zustimmung des Reiches.
   
Schenkenberg unter dem Schutz des Königs 
Sigismund von LuxemburgDer Schutzherr Schenkenbergs: 

Sigismund von Luxemburg, 1368 - 1437, deutscher König (ab 1410) und Kaiser (ab 1433).

Mehr über Sigismund ...

   
  Auf die Dauer verleidete Margarethe ihre Herrschaft. Sie hatte verschiedentlich Schwierigkeiten mit ihren Untertanen, sah sich aber jeweils ausserstande mit ihren Knechten ihre diversen Forderungen nach mehr Steuern, Abgaben und Frondiensten gegenüber den Bauern durchzusetzen, welche auf alte Rechte und Freiheiten pochten.
   
Die Herrschaft Schenkenberg als souveränes Fürstentum Mit Urkunde vom 19. Januar 1431 hiess König Sigismund den Verkauf an Freiherr Thüring von Aarburg gut und bestätigte alle bisherigen Rechte. Auch die hohe Gerichtsbarkeit, der Blutbann, d.h. das Recht über Leben und Tod zu richten, war ausdrücklich mit eingeschlossen.
   
  Die Herrschaft Schenkenberg, die sich von Bözen bis Stilli und von Thalheim bis Mönthal und Villigen erstreckte, bildete also ein ziemlich souveränes kleines Fürstentum. Wie schon seine Vorgängerin, bemühte sich Thüring von Aarburg um gutes Einvernehmen mit seinen Nachbarn. Er wurde ebenfalls Bürger von Brugg und versprach, allenfalls mit seinen Leuten gemeinsam mit der Stadt in den Krieg zu ziehen und notfalls auch seine Burg zur Verfügung zu stellen. Vor allem aber sicherte er den Bruggern das seit 1415 im "Ausland" liegende wirtschaftliche Hinterland. Das Verhältnis war so gut, dass in einem militärischen Auszug von 1439 sich die Brugger sogar unter das Kommando des Schenkenbergers stellten.
   
  Privat hatte Thüring von Aarburg weniger Glück. Er steckte häufig in finanziellen Schwierigkeiten und seine Frau brachte keinen Stammhalter zur Welt. Seine einzige Tochter Verena, verheiratet mit Hans von Baldegg, starb 1451. Sein Bruder war schon früher kinderlos verschieden. Das Aussterben des Geschlechts von Aarburg war vorhersehbar.
   
Die Ritter von Baldegg als neue Herren Am 11. November 1451 verkaufte deshalb Thüring von Aarburg Burg und Herrschaft Schenkenberg an seinen Schwiegersohn >Hans und dessen Bruder Markwart von Baldegg für 7100 Gulden und die Übernahme von bestehenden Verpflichtungen im Betrage von 5300 Gulden.
   
  Mit den Baldeggern begann ein neuer, schärferer Wind zu wehen. Ihr Geschlecht stand schon seit Jahrhunderten in treuen Diensten Habsburg - Österreichs. Der Grossvater war sogar bei >Sempach 1386 gegen die Eidgenossen gefallen.
   
  Der tatkräftigere Markwart war als direkter Vertreter Erzherzog Albrechts von Österreich Vogt von Stadt und Herrschaft >Rheinfelden. Er war auch österreichischer Rat und begleitete als solcher sogar 1452 den neuen deutschen König Friedrich III., einen Habsburger, zur Kaiserkrönung durch den Papst nach Rom
   
Aufgabe der Reichsunmittelbarkeit Das Verhältnis zwischen Bern und Schenkenberg verschlechterte sich augenblicklich. Die Brüder von Baldegg bewarben sich nicht um das Bürgerrecht von Brugg. Stattdessen liessen sie sich vom Landesherzog in Wien demonstrativ ihre Herrschaft Schenkenberg als österreichisches Lehen aushändigen. Kaiser Friedrich III. hatte nichts dagegen, schliesslich war er ja selbst ein Habsburger.
   
Schenkenberg wieder habsburgisches Lehen Im Lehensbrief vom 23. April 1457 übergab Erzherzog Albrecht seinem "getreuen, lieben" Markwart und dessen Bruder Hans die Herrschaft Schenkenberg samt Bözberg und Burg Besserstein (Villigen) mit hohem und niederem Gericht, mit Leuten und Dörfern, Zöllen, Zehnten, Fischenzen und sonstigen Rechten zu erblichem Lehen. Erst nach Aussterben des Geschlechtes sollte der Besitz an Habsburg - Österreich zurückfallen.
   
  Markwart von Baldegg wollte in seinem Gebiet unumschränkter Herrscher sein. Dagegen machte die Stadt Brugg auf der linken Aareseite, auf schenkenberger Territorium, diverse alte Rechte und wirtschaftliche Privilegien geltend. Konfliktstoff gab es demnach in beliebiger Menge.
   
Grenzstreitigkeiten mit der Stadt Brugg Ein Problem war der Grenzverlauf. Nach Ansicht Markwarts verlief dieser in der Mitte der Aare, seine Herrschaft reiche deshalb bis zur Mitte der Brücke von Brugg. Damit waren die Brugger überhaupt nicht einverstanden, für sie hätte dies die Preisgabe der Vorstadt bedeutet. 
   
 

Stadt Brugg nach einem Stich von Merian 

Die bernische Stadt Brugg.  Links des Flusses Aare die Vorstadt.

   
  Es kam auch bald zu Zusammenstössen und Tätlichkeiten. Stadtbürger welche auf eigene Faust links der Aare ihre alten Rechte wahrnehmen wollten, Holz sammelten, die Schweine hinübertrieben u.s.w., wurden ergriffen und auf der Burg Schenkenberg in den Turm geworfen. Andererseits schikanierten die Brugger Torwächter die Bauern aus dem Schenkenbergischen oder liessen sie gar nicht passieren, wenn sie über die Brücke wollten, zum Beispiel zum Markt in Baden.
   
Krieg ! Herrschaft Schenkenberg erobert Der Streit eskalierte soweit, dass mehrfach auswärtige Vermittlung nötig wurde. Schliesslich wurde das ganze Theater der mächtigen Stadt Bern zu bunt und sie löste das Problem mit dem ungeliebten Nachbarn auf ihre Weise. Am Rande des nächsten Krieges zwischen der Eidgenossenschaft und Österreich (Eroberung des Thurgaus) besetzten bernische Truppen 1460 kurzerhand die Herrschaft Schenkenberg und jagten Markwart von Baldegg ausser Landes. 
   
 
FeldschlangeFeldschlange wie sie ähnlich wohl auch bei der Eroberung von Burg Schenkenberg eingesetzt wurde.

Das hier abgebildete Exemplar stammt aus der Burgunderbeute von 1474 und befindet sich im Museum von >La Neuveville (NE).

   
Burg Schenkenberg beschädigt Burg Schenkenberg wurde bei der Eroberung beschädigt, von den neuen Herren aber sofort wieder instandgestellt. Ein grosses Bernerwappen wurde auf die Mauern gemalt und ein Landvogt nahm als Vertreter der neuen Obrigkeit Wohnung auf dem Schloss.
   
 

Bernerwappen

   
Berner Herrschaft über Schenkenberg Die Herrschaft Berns sollte genau 338 Jahre, nämlich bis zum Einmarsch der Franzosen und der Helvetischen Revolution von 1798, andauern. 
   
  Insgesamt 260 Jahre davon, 1460 bis 1720, wurde das bernische Amt Schenkenberg von der Burg Schenkenberg aus im Namen der gnädigen Herren von Bern regiert ....      weiter mit Teil II: Bernerzeit

 

    
  

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